„Abschied – eine persönliche Herausforderung.“ Qualifikationswochenende ehrenamtlicher Hospizbegleiter*innen in Untermarchtal

Ein eindrückliches und persönliches Seminarwochenende liegt hinter den angehenden Ehrenamtlichen des Kloster-Hospizes. Vom 11. bis 13. September traf sich die Gruppe im Bildungsforum Kloster Untermarchtal, um sich intensiv mit dem Thema „Abschied – eine persönliche Herausforderung“ auseinanderzusetzen. Die ruhige Atmosphäre des Klosters und die Möglichkeit, für einige Tage aus dem Alltag herauszutreten, boten dafür einen besonders passenden Rahmen.

Abschied als persönliche Geschichte

Schon der Einstieg machte deutlich, wie persönlich und vielfältig dieses Thema ist: Jede und jeder brachte einen Gegenstand mit, der mit Abschied verbunden war – eine Karte, einen Brief, einen Text, etwas Selbstgeschaffenes oder einen anderen persönlichen Gegenstand. Über diese Dinge entstanden erste Gespräche und Begegnungen. Sie öffneten einen Raum, in dem persönliche Erfahrungen ihren Platz finden durften. Denn Abschied ist immer auch eine persönliche Geschichte.

Begleitet wurde das Wochenende von Kursleitung Susanne Lutz und Martin Bukovsek (alias „Carismo“), Trauerbegleiter, Artist und Zirkuspädagoge. Mit kreativen, körperorientierten und persönlichen Zugängen eröffneten sie vielfältige Perspektiven auf ein Thema, das für die zukünftige Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen von großer Bedeutung ist.

Vielfältige Zugänge zum Abschied

In zahlreichen Übungen ging es um die vielen Facetten des Abschiednehmens: halten und gehalten werden, Schmerz erfahren und loslassen, sich anvertrauen und Vertrauen wagen, Balance finden und Neues entstehen lassen. Auch die Erfahrung, sich im Sterben zunehmend in andere Hände zu begeben und Kontrolle abzugeben, kann Teil eines Abschieds sein. Und zugleich kann Abschied immer auch Neubeginn bedeuten.

Den eigenen Lebensweg in den Blick nehmen

Dabei richtete sich der Blick immer wieder auf den eigenen Lebensweg: Was habe ich selbst an Schmerz, Verlust oder Abschied erlebt? Was kann ich aus diesen Erfahrungen für die Begegnung mit einem anderen Menschen mitnehmen?

Am Samstag ging es darum, eigene Erfahrungen wahrzunehmen, zu reflektieren und daraus zu lernen. Auch ungewohnte Erfahrungen – etwa das Überqueren eines Nagelbretts – konnten dabei zu einer Möglichkeit werden, eigene Grenzen und Empfindungen zu erspüren. Die Auseinandersetzung mit sich selbst kann helfen, einem anderen Menschen aufmerksamer und verständnisvoller zu begegnen – ohne dabei die eigene Geschichte mit der des Gegenübers gleichzusetzen.

Eine weitere Perspektive eröffnete der gemeinsame Film Marias letzte Reise. Eindrücklich wurde sichtbar, wie unterschiedlich Menschen mit Sterben, Abschied und dem Wunsch nach Selbstbestimmung umgehen. Der Film regte zum anschließenden Gespräch und zur persönlichen Reflexion an.

Lichtvolle Momente und persönliche Berufung

Am Samstagabend wurde es still und zugleich lichtvoll. Bei einem Feuerritual zur Nacht ging es um persönliche „lichtvolle Momente“ und um die Frage: Wofür brenne ich? Gedanken aus Khalil Gibrans Der Prophet zum Thema Tod begleiteten die Gruppe. Damit verband sich die Frage nach der eigenen Berufung und Motivation für das zukünftige ehrenamtliche Engagement.

Was trägt? – Balance, Halt und Vertrauen

Der Sonntagmorgen begann mit der Geschichte vom „Schönsten Herzen“. Ein zunächst unversehrtes Herz und ein Herz mit Kerben und Kanten erzählen von Erfahrungen, vom Schenken und Empfangen, von Verletzlichkeit und davon, dass wir einander etwas von uns mitgeben können. Manches wird geschenkt, ohne eine Gegenleistung zu erwarten – und hinterlässt Spuren.

Anschließend ging es in verschiedenen Übungen um die Balance – um das eigene Gleichgewicht, um Halt und darum, was trägt.

Der Lebenszyklus – ein getanztes Gebet

In der Scheune nahm Martin Bukovsek die Teilnehmenden anschließend eindrücklich mit in einen Lebenszyklus, der zugleich als „getanztes Gebet“ erfahrbar wurde. Am Vertikaltuch wurden verschiedene Stationen des Lebens sichtbar und erlebbar: Geburt, Heranwachsen, sich umschauen und orientieren, Leiden, Tod und Auferstehung. Bewegung und Körper wurden dabei zu einer Sprache, die Himmel und Erde miteinander verband.

Würde als stiller Begleiter

Das gesamte Wochenende begleitete außerdem der Würde-König von Ralf Knoblauch die Gruppe. Als stilles Symbol erinnerte er daran, was im Mittelpunkt hospizlicher Begleitung steht: die unverlierbare Würde jedes Menschen – auch in Krankheit, im Sterben und im Abschied.

Auch Leichtigkeit gehört dazu

Und bei aller persönlichen Auseinandersetzung mit einem schweren Thema durfte auch die Leichtigkeit ihren Platz haben. Die gemeinsamen Abende in der Kloster-Kellerbar waren geprägt von Begegnung, guten Gesprächen und vor allem von viel Lachen. Denn auch das gehört zu einem gemeinsamen Weg: Schwere und Leichtigkeit, Nachdenklichkeit und Freude dürfen nebeneinanderstehen.

Was bleibt – und was weitergeht

In der Abschlussrunde wurde noch einmal spürbar, wie vielfältig die Zugänge zum Thema Abschied waren und wie sehr das Wochenende zur persönlichen Auseinandersetzung angeregt hatte. Die gemeinsame Zeit wurde als bereichernd und wertvoll erlebt – mit vielen Impulsen, persönlichen Erfahrungen und neuen Blickwinkeln.

Abschied hat viele Gesichter, und jeder Abschied ist anders. Wer Menschen auf ihrem letzten Lebensweg begleiten möchte, braucht nicht auf alles eine Antwort. Vielmehr geht es darum, präsent zu sein, auszuhalten, mitzufühlen, Halt zu geben, Vertrauen zu ermöglichen und auch selbst loslassen zu können.

Mit diesen Erfahrungen und Impulsen gehen die angehenden Ehrenamtlichen nun ihren weiteren Weg im Vorbereitungskurs. Ein Stück mehr sind sie dafür gerüstet, Menschen in ihren ganz persönlichen Abschieden aufmerksam, einfühlsam und würdevoll zu begleiten – und ihnen Raum zu geben für das, was im Abschied geschieht und vielleicht auch für das, was neu entstehen darf.